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So bunt ist Berlin

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Sie schütten Farbe auf die Straße und bauen nachts rosa Spielplätze: Streetartists fragen nicht um Erlaubnis. PRINZ machte einen Rundgang durch Berlin - Deutschlands größte Galerie.

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Schaut auf diese StadtAmbar Servin vergrößern

Berlin Mitte, April 2010: Nach der Farbattacke bemalten Autos und Fahrräder ...


Sie kamen auf Fahrrädern am helllichten Tag, sie waren vier oder fünf. Aus Kübeln am Lenker kippten sie Farbe auf die Fahrbahn am Rosenthaler Platz - Gelb, Rot, Blau. Dann türmten sie, verschwanden in Berlins Straßen, so schnell, wie sie gekommen waren. Autos, Fahrräder, Fußgänger und Straßenbahn bemalten die lärmende Kreuzung und alle Ausfallstraßen mit ihren Rädern und Sohlen, ob sie wollten oder nicht. Die Farbguerilla hinterließ kein Bekennerschreiben, nur einen Zettel an einem Laternenmast: "wasserlöslich - schadstofffrei - biologisch abbaubar". Nach einer Woche war die Farbe weggewaschen. Was zum Teufel war das? "Ein richtig guter Witz", sagt Marc Scherer. Seine ATM Gallery liegt ganz in der Nähe, auf der Straße vor dem Schaufenster schimmerten Spuren der Farbaktion. "Aber nicht nur. Da haben sich Leute einen Moment lang den öffentlichen Raum zurückgeholt."

Fluchtplan fürs Abenteuer
Mit ATM, einem weißen würfelförmigen Raum, hat der 39-jährige Galerist und Künstler ein kleines Reservat geschaffen für Streetartists - Leute, die ihre Kunst sonst ungefragt draußen aufstellen und anbringen, die Geld investieren in ihre Materialien (und manchmal für Gerichtskosten), und die in Kauf nehmen, dass manche Werke nur einen Tag lang halten. "Die nehmen sich das Recht heraus, sich hier, in der Stadt, in der sie leben, auch künstlerisch zu äußern", sagt Marc.

Und das ist oft ein Abenteuer. So wie der "Pink Playground" von Emess, einem Künstler, der auch schon bei ATM ausgestellt hat, aber unerkannt bleiben möchte. Aus Holzlatten und einem Lkw-Stoßdämpfer baute Emess einen Spielplatz und sprühte ihn pink an. Mit Freunden entwarf er einen Fluchtplan, dann mieteten sie einen Umzugswagen, hielten nachts um vier auf dem Parkplatz gegenüber der Neuen Nationalgalerie, in Nähe der Berliner Philharmonie, trugen Wippe und Schaukelpferd auf eine Verkehrsinsel direkt vor dem Eingangstor und stellten Schilder auf: "Don't play here!" - "Public property", öffentliches Eigentum. Nach fünf Minuten war die Gruppe verschwunden, das Katz-und-Maus-Spiel begann: Der Spielplatz wurde schon am nächsten Tag umgeworfen. Als Emess ihn nachts wieder aufrichten wollte, rückte sofort die Polizei an. "Ich konnte mich gerade noch verdrücken."

Zumindest ein Teil des Werkes sei immer auch das Staunen: "Boah, wie groß ist das, wie sind die da hingekommen?", sagt Marc. Das hat Streetart mit Graffiti gemeinsam. Tatsächlich haben viele der ungebetenen Künstler früher auch gesprüht oder tun es immer noch - deshalb nennt auch keiner seinen echten Namen. Streetart ist für viele eine Weiterentwicklung, ein Schritt weg von der Wand.

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