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Ausgelassene Partys, elegante Menschen und dazwischen russischer Retro-Look: Riga liebt die Gegensätze. Schon zu Sowjetzeiten war die Baltenmetropole das schicke Bindeglied in den Westen, heute kommen viele junge Mode- und Designideen aus Lettlands Hauptstadt.
Die meisten denken bei kalter roter Suppe sofort an Gazpacho und Spanien. Doch es gibt noch einen anderen Ort mit einer noch dunkleren und kälteren Suppe, mit Roter Bete statt Tomate. Und sie kommt aus Riga, der westlichsten Stadt des alten Zarenreichs. "Perle des Baltikums" wird die Hauptstadt Lettlands mit ihren 850 000 Einwohnern auch genannt, und sie ist so etwas wie ein real existierender Zeittunnel, in dem Spuren aus allen Epochen zusammentreffen. Vor dem nagelneuen Flughafenterminal wird der höfliche Besucher vom lettischen Bodenpersonal empfangen, das westliche Standards an Unfreundlichkeit um Längen übertrifft. Der Transport des Koffers kostet extra, sagt sie, aber es sind ja nur umgerechnet 45 Cent.Willkommen in Osteuropa! Graue Plattenbausiedlungen und patinierte Holzhäuser ziehen an den Fensterscheiben vorbei: der "Wilde Osten". Doch er ist nur ein Mosaiksteinchen im Panorama Rigas - stilvolle Cafés, Bars und Galerien erwarten den Besucher. Das Zentrum glänzt längst. 16 Jahre Unabhängigkeit und drei Jahre in der EU haben einiges an der Stadt und ihren Menschen verändert. Englisch und oft auch Deutsch sind mittlerweile genauso selbstverständlich auf den Straßen zu hören wie Russisch und Lettisch. Schon zu Sowjetzeiten galt Riga als Bindeglied zwischen West und Ost. Das machte sich auch in der Modeszene bemerkbar. Betuchte Russinnen reisten eigens nach Riga, um sich hier neu einzukleiden. Auch heute fällt das perfekte Styling der Frauen auf: Lettinnen sind erst sie selbst, wenn sie erhobenen Hauptes mit High Heels über das holprige Kopfsteinpflaster stolzieren wie über einen Laufsteg.
Rigas Innenstadt lässt sich mühelos zu Fuß erkunden. Guter Ausgangspunkt ist der breite Freiheitsboulevard (Brivibas Bulvaris), wo die Neustadt in die Altstadt übergeht. Fantastisch ist die Aussicht am Abend von der Skylinebar aus, im 26. Stock des Hotels "Latvija". Auf gemütlichen Sesseln einen Singapore Sling nippend genießt man den Blick auf das Panorama und die Lichter der Stadt. Lettland boomt. Und gleichzeitig ist die aufstrebende Hauptstadt voller altmodischer Details:Wo sonst findet man noch Kinomaler? Und wo steigen feine Damen aus unzähligen Edelkarossen und spazieren glamourös gekleidet durch die Altstadt? Direkt daneben stehen alte Frauen mit Kopftüchern, die bis spät in die Nacht Blumen für ein paar Santimi verkaufen. Nobelrestaurants und Luxusboutiquen reihen sich in der Altstadt aneinander. Eine Straßenecke weiter stehen alte Gemäuer mit bröckelnder Fassade, Katzen streunen umher. Zwischendrin entdeckt der Besucher kleine Cafés und Bäckereien, in denen, so scheint es, die Zeit stehen geblieben ist. Piekfein geht's zum Abendessen in eines der zahlreichen Restaurants. Doch was wählen: lettischen Brotpudding, russischen Borschtsch, Pasta oder lieber frisches Sushi? Cafés und Restaurants sind meist rappelvoll. Im Sommer bleibt's in Riga bis tief in die Nacht taghell. An Schlafen denkt dann kaum einer. Überall stehen Tische und Stühle unter freiem Himmel, gemeinsam mit unzähligen Urlaubern sitzen die Rigenser bei Livemusik auf dem Domplatz zusammen.
Das Rigaer Nachtleben ist wild, mit Berlin oder Hamburg kann es mühelos mithalten. Die Kneipen, Bars und Clubs sind ungezählt. Man mag staunen, wie elegant und zuweilen freizügig sich die Rigenserinnen auf der Tanzfläche bewegen. Besonders an den Wochenenden wird gefeiert und geflirtet, als gäbe es kein Morgen mehr. Den Sonntags-Hangover beseitigt der Rigenser an der Strandpromenade im nahen Seebad Jurmala. Die Elektrischka nimmt den Fahrgast mit auf eine Zeitreise in das alte Osteuropa.Auf abgewetzten Holzbänken sitzend zuckelt er gemächlich an Kiefern- und Pinienwäldern und Plattenbauten vorüber. Dann tauchen verwinkelte Holzhäuschen mit bunten Fassaden und Türmchen auf. Nach 35 Minuten Fahrt: Haltestelle Majori, auf zum Strand! Bikininixen tummeln sich im bis zu 25 Grad warmen Wasser, Männer spielen am weißen Strand Volleyball. Bis in die Nacht, denn im Sommer kann man am Rigaer Meerbusen bis abends um viertel vor elf in der Sonne baden.
RESTAURANTS
Genuss ist den Rigensern wichtig - das zeigt die Fülle an Cafés und Restaurants. Traditionell stehen "Karbonade" (Schweineschnitzel), Kraut und Kartoffeln auf dem Speiseplan. Ein Klecks saure Sahne, eingelegte Gurken und ein Glas "Kefir" (Buttermilch) runden das Menü ab. Aber Riga ist auch ein Hotspot bester internationaler Küche.
CAFES / BARS
An hübschen Cafés herrscht in Riga kein Mangel. Geraucht wird jedoch nur draußen. Seit 1. Juni 2006 ist das Rauchen in allen Restaurants, Bars und sogar Biergärten verboten.
CLUBS
Ob ausgeflippt oder elegant, Rigas Club- und Musikszene hat für jeden etwas zu bieten. Und gefeiert wird gern und lang. Besser meiden: das "Roxy" freitagabends - ziemlich öde.
SHOPPING
Riesige Einkaufszentren am Stadtrand - für modebewusste Westeuropäer ist die baltische Metropole nicht gerade ein Shoppingparadies. Aber ein paar Leckerbissen gibt es trotzdem.
Nadja Cornelius
• Bustransfer vom Flughafen: 37 Cent
• Taxi vom Flughafen ins Zentrum:
15 Euro. Unbedingt die seriösen roten
Taxis nehmen! (Tel. 00371 / 800 13 13)
• Bus- oder Tramfahrt: 45 Cent, gilt bis
zum Aus- oder Umsteigen
• Mittagessen in einer traditionellen
Kafejnica: ab 3 Euro
• Abendessen (3 Gänge,Wein): ab 22 Euro
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