"Ich lache gerne - auch über mich!"
Ein Gespräch mit ... Anna Maria Mühe
Die Kinofilme mit Anna Maria Mühe sind häufig schwere Kost. Dabei ist die talentierte Charakterdarstellerin privat ein wahrer Sonnenschein. Mit PRINZ spricht die gebürtige Berlinerin über Ungeduld, Schadenfreude und Tanzen.
2012 geht bei dir direkt gut los. Dein Film "Die Unsichtbare" kommt in die Kinos und du bist "Shooting Star" bei der Berlinale. Hast du Vorsätze für das neue Jahr? Du könntest mit dem Rauchen aufhören...
Nein, ich sehe gar nicht ein, mir das zum Vorsatz zu machen. Wenn ich es irgendwann nicht mehr will, dann höre ich eben auf. Ein Vorsatz, den ich habe, ist es, nicht immer so ungeduldig zu sein.
Bei deiner Karriere gibt es keinen Grund zur Ungeduld. Du bist 26 und hast schon mehr als 40 Filme in deinem Lebenslauf ...
Meine Ungeduld bezieht sich nicht auf meinen Beruf. Ich habe zum Beispiel über Silvester mit dem Skifahren angefangen. Wenn es dann nicht so schnell funktioniert, werde ich schnell ungeduldig.
Erzähl uns von "Die Unsichtbare".
Es war toll, wieder mit Christian Schwochow, dem Regisseur, mit dem ich schon "Novemberkind" gedreht habe, zu arbeiten. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Schauspielstudentin, gespielt von Stine Fischer, die den Bezug zur Realität verliert. In einer Nebenrolle spiele ich die beste Freundin, die sich und ihren Körper liebt und offensiv damit umgeht.
Du spielst meist "schwere" Charakterrollen. Wählst du solche Rollen eher aus oder bietet man dir keine lustigen Rollen an?
Sie werden mir weniger angeboten, was ich aber nicht schlimm finde. Es gibt sehr wenige gute Komödien in Deutschland. Ich bin selten ein Fan von Schenkelklopfern. Auf eine richtig gute Komödie hätte aber schon einmal große Lust.
Bist du privat ein lustiger Typ?
Ich lache sehr gerne und ich lache auch sehr gerne über mich. Ich kann sogar schadenfroh sein. Aber ich bin es auch bei mir selbst, insofern ist es gerecht.
Wann hast du das letzte Mal aus vollem Herzen über einen eigenen Schaden gelacht?
Das war am Flughafen. Ich schüttelte einen Saft und dachte, die Flasche wäre geschlossen. War sie aber nicht. Ich habe den Saft komplett über mich gegossen. Es war Himbeersaft, der richtig schön geklebt hat.
Erzählst du manchmal Witze?
Ganz selten, denn ich kann sie mir nicht merken. Bis auf einen ...
Lass mal hören!
Der ist pervers. Entschuldigung, aber das kann ich hier wirklich nicht bringen.
Du bist in einer Kneipe entdeckt worden. Verbindet das mit dem Nachtleben?
Das war eher ein American Diner und ich war 14. Ich gehe lieber tanzen als in Kneipen.
Welche Tanzflächen steuerst du an?
Ich gehe dahin, wo auch mal ein paar Hits gespielt werden. Musik, bei der man mitgehen kann. "Remmidemmi" von Deichkind gefolgt von "Dirty Dancing". House-Musik hat für mich eine Ernsthaftigkeit, die ich auf Dauer nicht ertrage. Da muss ich schon sehr viel Alkohol intus haben. Ich brauche laute, lustige Musik.
Als passionierte Raucherin rauchst du manchmal auch "lustige" Zigaretten?
Ganz selten und nur mit ganz engen Freunden. Dann kann es aber lustig sein, Zeugs zu quatschen, ohne darüber nachzudenken.
Wenn du Freunde zum Essen da hast, sollst du schon mal die Krümel vom Tisch wischen und aufräumen, wenn noch alle sitzen. Ist das kein Stimmungskiller?
Das mache ich nur bei engen Freunden, die meinen Hang zu Ordnung kennen und darüber lachen können.
Das Gespräch führte Sandra Piske
Die Tochter der beiden leider schon verstorbenen Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe (u. a. "Das Leben der Anderen") wurde unabhängig von ihren berühmten Eltern für den Film "Große Mädchen weinen nicht" entdeckt. Das war 2002 und sie war 17. Zwei Jahre später zeigte sie ihr großes Talent in dem Jugenddrama "Was nützt die Liebe in Gedanken". Für "Novemberkind" wurde sie 2008 für den Deutschen Filmpreis nominiert. Zur Berlinale ist sie in "Die Unsichtbare" (Foto) zu sehen, und dieses Jahr läuft in den Kinos "Bis zum Horizont, dann links!", eine Tragikomödie mit Otto Sander, Angelica Domröse und Herbert Feuerstein.






