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Wer bei Schanze nur an Krawalle und Yuppie-Zuzug denkt, sollte einmal an einem lauen Sommerabend hier sein: Dann trifft sich ganz Hamburg in dem Viertel. Zwischen extremen Polen hat sich eine vielfältige Kultur entwickelt
Sobald die Abende lauer werden, bevölkern Hamburgs Szenegänger die Sternschanze wie sonst Fans des FC St. Pauli das Jolly Roger. Ob im quartierseigenen Beachclub Central Park, vor dem lässigen Imbiss Schmitt Foxy Food oder auf den Gehwegen des Schulterblatts: Zur blauen Stunde stehen junge Menschen mit Astra-Knollen in der Hand dicht gedrängt und fröhlich lachend im Freien. "In den Sommermonaten lebt der Stadtteil völlig auf. Dann kommt man sich hier vor, wie auf dem Heiligengeistfeld zu Zeiten der Fußball-WM", sagt Kathleen Döring, die direkt am Ort des Geschehens wohnt. "Das ist wie Urlaub." Wer Glück hat, findet zum Auftakt des Abends an den Außentischen des Transmontana noch einen freien Platz, denn der trubelige Portugiese ist für viele die erste Anlaufstelle. Andere ziehen auf eine erfrischende Weinschorle in den ruhigeren, wunderschönen Garten von "Die Herren Simpel" um oder bleiben mit ihrem Kioskbier einfach an der Ecke Schulterblatt / Susannenstraße stehen.
Hier ist man nicht allein - ganz Hamburg ist ja auch da. Das ist nett, gesellig - und irgendwie gar nicht so oberflächlich und overdressed wie der Ruf, der dem Stadtteil anhaftet. Zwar prägt das Schaulaufen einiger Damen und Herren in "Schanzen-Uniform" immer noch das Bild des Viertels: Schöne Frauen in Leggings und Bikerstiefeln und coole Männer in stylischen Adidas-Trainingshosen und lässig umgeworfenen American-Apparel-Schals sind hier durchaus keine Seltenheit. Aber macht das heute wirklich noch das Schanzenviertel aus? Oder ist das Vorurteil der "Sehen-und-Gesehen-werden-Meile" inzwischen schon wieder überholt? "Die Schanze wird leider schon seit Jahren schleichend yuppisiert", sagt John Schierhorn, Geschäftsführer vom Central Park und dem Club Waagenbau. "Trotzdem gibt es immer wieder sehr positive Neueröffnungen. Insgesamt ist ein Erstarken der Läden mit individuellem Konzept zu spüren."
Im Haus III & 70 wird zum Beispiel neben Partys und Konzerten ein unkonventionelles Programm von "Tatort-Club" über Lesungen bis hin zu Theater- und Tanzaufführungen geboten, das für kulturellen Ausgleich in Hamburgs In-Quartier sorgt. "Durch ein Nebeneinander von Alltags-, Sub-, und Hochkultur soll ein lebendiger Austausch zwischen den Besuchern der einzelnen Veranstaltungen angeregt werden", sagt Nicole Schwarzbauer vom Kulturhaus und hofft: "Das führt im Idealfall dann dazu, dass der klassische Partygänger auch mal einen Blick über den Tellerrand wirft und sich ein Theaterstück ansieht." Nur ein Haus weiter steht die Rote Flora als politischer und kultureller Treffpunkt der alternativen Szene und kämpferischer Zeitzeuge von Krawall und Klassenkampf. Im Schanzenpark, dem Naherholungsgebiet des Viertels, ist das Open-Air-Kino Jahr für Jahr das Sommer-Highlight. Sobald die Leinwand vor traumhafter Kulisse gegenüber des Wasserturms gespannt wird, liegen auch schon die ersten Picknickdecken aufschlagbereit und das Programm von Hollywood-Blockbustern bis Arthouse-Filmen kann starten.
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